ohne Titel (für Konrad)

Der Höhepunkt des Abends. Das, worauf alle gewartet haben. Endlich! Der feine Herr im schwarzen Smoking betritt den Saal. Würdevoll schreitet er durch die Menge. Alle Köpfe rechts. Tuscheln, nervöses Kichern, Ellenbogenstupsen. Flirrendes Getuschel. Das Kammerorchester spielt einen Tusch.  Situierte Stille. Der feine Herr erhebt das Wort. Zustimmendes Kopfnicken, verständnisvolles Lächeln, erleichtertes Aufatmen nach dem Erhabenen. Dann das erhobene Glas, das Fest ist eröffnet. Der feine Herr, Hofrat Prof. Dr., mischt sich unter die handverlesenen Gäste. Bekannte Gesichter erkennen sich, unbekannte Hände schütteln sich. Schon schüttelt Mag.a Phil. die auffällig gepflegte Hand des Herrn Ing. Dkfm. Dann trifft Gen. Dir. Dr. den Herrn Dr. med. habil, beide wiederum schütteln Doz. Dr. und  Dkfm. Mag. Dr. die Hand. Der Herr Stv. Landeselternvereinigungs-Landeshauptmann strahlt selig beim Anblick der feschen Frau Gouverneurin Dr. Mag. und bringt ihr einen Drink, den sie jedoch lieber ausschließlich mit dem Herrn Univ.-Doz. MMag. DDr. zu genießen pflegt.

    Gleich nebenan macht Herr Dr. hon. Botschafter einen zugegeben niveaulosen Witz auf Kosten von Herrn Dr. Mag. pharm., woraufhin sich dieser echauffiert zur Bar drängelt. Der dergestalt Brüskierte bestellt sofort einen doppelten Cognac und beklagt sich bei Dr. med. dent über die Impertinenz eines so schlecht gekleideten Mannes. Immerhin macht Herr Min. Rat. Dr. der Frau MMag. Dr. den Hof. Zeitgleich balanciert ObstA Dr. mit Prim. Univ. Prof. Dr. und mehreren Long Island Ice Teas am Abgrund des Buffettischs, als eben dieser unter der stürmischen Begrüßung des stark angeheiterten Reg. Rat Dr. lautstark zusammenbricht, woraufhin die Herren Komm. Rat Ing. und Hofrat Dipl.Ing. zunächst in brüllendes Gelächter, dann in brüllenden Husten ausbrechen. Betretenes Schweigen, als die auffallend unattraktive Frau MMMag.a vorbeigeht. Herr Gen.Dir. schüttelt ihr dennoch die Hand. Ungläubiges Staunen, als just in dem Moment der Herr Abg.z.NR Dr. die zugegeben fesche, aber gänzlich unbegabte Frau Mag.a mit einem allzu herzlichen Busserl begrüßt und sie sogleich auf einen Mojito einlädt. Daraufhin wendet sich Frau Dir. DDr. Mag.a  entrüstet dem Herrn Prok. DI. Dr. techn. zu, der seine Hand jovial auf ihren Hintern legt. Der smarte Junggeselle Senator h.c Prof. Dr. Dr. wird zum wiederholten Male gleichzeitig von der bereits stark angeheiterten Frau OMR Dr. Dr., Frau OMR Dr. med. habil. und diesmal sogar von Frau Baurätin h.c. Dipl.-Ing.in. höchstpersönlich umgarnt, die die vierte Runde Malibou Orange für alle spendiert.

   Im Separée erfährt der leutselige Herr Dipl.VW MR aD vom redseligen Gen. Dr. Dr. bei einem Gin-Basil Smash streng vertrauliches Insiderwissen für eine geplante kleine Stiftung in Liechtenstein. Dr. med. hingegen tagträumt lieber von einem Schäferstündchen mit der schönen Frau Dr. Med. Vet., die wiederum von einem Date mit dem betuchten Herrn Honorarkonsul träumt, welcher erfolgreich gleich drei Stiftungen in drei hier nicht näher erwähnten Ländern unterhält. In der VIP-Lounge versucht Herr Arch. Dr. Ing. derweil verzweifelt, mit dem Herrn Bundesminister a.D. über die Finanzierung seines geplanten Einkaufszentrums zu reden; dieser jedoch verweist auf den Bürgermeister, bestellt sich den vierten Tequila Sunrise und prostet verschüttend den Herren Dr. Phil. und Arch. Mag. zu. Dagegen entrüsten sich Frau Bakk. (FH), Herr Bakk. rer. soc. oec., Herr Bakk. art und Frau Bakk. rer. nat. über den ihnen zugewiesenen Katzentisch in der linken Ecke des Foyérs, worüber sich Frau Univ. Lektorin Prof.in MMag.a und Frau Prof.in Dr. Med. habil geradezu diebisch freuen.

   Herr OMR Dr. sc. med. schafft es gerade noch zur Toilette, als der gut dosierte Erdberr-Daiquiri vom Herrn Pfarrer i.R. seine entleerende Wirkung zeigt. Zum Glück weiß der geläuterte Prof. Dr. Med. i.R. Rat und steckt dem Leidenden eine Hand voll Kümmelsamen in den halboffenen Mund. Als der Herr Reg. Rat das sieht, verrichtet dieser seine Notdurft sofort im benachbarten Urinal, wobei unglücklicherweise die Hälfte des redundanten Körpersaftes auf dem Seidenfrack des nichtsahnend urinierenden Herrn Hofrat Mag. Dr. landet, der dem Unglücklichen daraufhin zeternd sämtliche Kontakdaten für das frisch generierte Versicherungsdelikt abverlangt. Das Kammerorchester stimmt schnell zum Kaiserwalzer an, und der unattraktive Komm. Rat. Prof. bittet die junge Frau Mag.a Dkff. zum Tanz. Diese nimmt stattdessen ein entsprechendes Angebot des Herrn Generalkonsuls an, obwohl sie eigentlich mit einer Aufforderung des vermögenden Herrn Grafen gerechnet hat, der jedoch nur Augen für die attraktive Botschaftsrätin hat, die aber leider mit ihrem langweiligen Gatten Dr. Ing. Dkfm. über das Parkett schwebt, weswegen die Verweifelte sich lallend an den gehörlosen Oberstleutnant d. Res. heranschmeißt, der diese seltene Gelegenheit sogleich dankend annimmt. Zeitgleich raunt der blutjunge Dipl. Ing. Dr. der verheirateten Frau Amtsrätin Dr.in Mag.a etwas Unanständiges ins Ohr, woraufhin sich beide mit einem Aperol Sprizz in den 3. Stock rechts, 5. Tür links, verziehen.

   Chefarzt Prof. DDr. hat die Nase voll und spritzt sich auf dem Klo eine zwei Ampullen Morphin gegen die schmerzende Langeweile, als der Herr Dr. Jur. an die verriegelte Tür klopft und nach Selbigem verlangt. Unglücklicherweise haben genau das der Herr KR dkfm. und KR Dr. beobachtet, die unverzüglich zum Herrn Min.Rat eilen, der wiederum diese skandalöse Neuigkeit sogleich dem Herrn Min. Rat. Dr. berichtet. Als MR Dr. med h.c. davon erfährt, platzt ihm sichtlich der Kragen und mit ihm das Geschäft, was er in mehreren Florida Slings ertränkt. Die soeben erst darüber informierte Gräfin starrt entsetzt in ihr goldenes Handtäschchen, in dem sich ihre eigene letzte, halbleere Ampulle befindet, und macht sich sofort auf den Weg, um den Kammersänger zu suchen, der sie süffisant zwinkernd an den Herrn Notar Dr. jus. empfiehlt. Gemeinsam werfen sich der Notar, die Gräfin und der Chefarzt eine handvoll Tranquillanzien ein, die sie mit einem doppelten Mai Tai runterspülen. Auf dem Damenklo ist derweil ein rhythmisches Poltern zu hören, welches auf die synchronen Beckenbewegungen des katholischen Herrn Bakk. theol. und der zum dritten Male geschiedenen Frau Dr.in Mag.a techn. zurückzuführen ist. Oberarzt Uni. Doz. Dr. torkelt aus dem Männerabort, ohne die sich aufrollende Rolle Klopapier an seinem Smokinghosenschlitz zu bemerken. Ungefähr auf der Höhe der opulenten Buchsbaumgebinde auf dem Treppenabsatz stößt dieser mit Frau Studienrätin MMag. Dr.  zusammen. Gemeinsam mit der Rolle Klopapier verschwinden die Fremdgehenden im Herrenklo. Als der morgen graut, spielt das Kammerorchester Glenn Miller.

[Anmerkung: Alle hier genannten Titel entsprechen der Wirklichkeit und sind dem „Titel“-Pulldown-Menü der Website http://www.staatsoper-wien.at entnommen]

© Lina

Hinterlasse einen Kommentar

Eingeordnet unter Prosa

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s