Archiv der Kategorie: Poems

Mitternacht

als alle anderen schlafen

bist du aufgewacht

meilenweit entfernt

hast du dich auf den Weg gemacht

um mich zu wecken aus dem Dämmerschlaf

kein Mond am Himmel, keine Sterne

in den namenlosen Nächten

nur das Mottenlicht der zuckenden Laterne

durch teilnahmslose Fenster drängt

kein Ton durch Fingerspitzen oszilliert

kein Wort,

kein Funke, der das leere Blatt zum Lodern bringt

Mit Kleisterpinseln malte ich ein Palimpsest der Hoffnung

auf rissige Tapetenwände

im Schädel drehten Linien wirre Kreise

und tauchten ab ins Nichts

zu heiß Gekochtes schimmelte im Schrank,

zwischen modrigen Steinen und Straßen

wo Blinde böse Blicke tauschen

logiert die Gier, ohne Wir.

In tauben Ohren monotones Moll

abgeschmackte Nahrung ohne Salz

kein Sehnen in den Adern

ohne Wir

nur grundloses Wollen,

ent weder noch oder

bis du kamst

um Mitternacht

bin ich aufgewacht

mit singenden Händen in 12-Tönen

stolzieren Lettern

schwarz auf weiß auf wartendem Papier

die Tintenfische wandern wohl gewollt an Land

– sowohl als auch – am Strand

Milliarden helle Tupfen hinterm Kugelmond

als alle anderen schlafen.

Ein Kommentar

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ebbenflutlicht

Das Spiel ist aus, der Ofen auch,

es trocknet – aus! – das Farbenmeer.
Korrallenkonjunktive quallen – auf! – und
stop: vorbei, im Ebbenflutlicht, zäher Argusalgen Teer.

auf und nieder
auf und nieder
auf und niederknien
die Silberfische
strudelschwimmend
vor in Muschelperlen schimmernd
dunkler Bilderfluten fliehn.

Bedeutungsschwangre Krebsgetiere
keuchen kämpfen kriechen
schwer durch dichtbebaute Sandburgkolonien
um im Luftschlossleerlauf quallvoll zu versiechen.

auf und nieder,
auf und nieder,
auf und niedergehen:
das gläsern‘ Fundament gerinnt
zu Wasser. Krakenklone
auf- und abtentakelt untergehen.

Das Spiel ist aus, das leere Leben auch.
Es drängen süße Seen tief hinein ins Salz
durchbohren Haie, giftig grüne Quallen – aus!
vorbei. Der Augen wassertrüber Blick ergreift
den sonnenklaren Horizont nicht mehr.

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NN unendlich

NN_1

NN_2

NN_3


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Die Raupe (kein Kinderlied)

Die Raupe spricht den Vogel an,

will fliegen auch, wie er.

Der Vogel lacht: das kannst du nicht.

Komm morgen noch mal her.

Am nächsten Tag, die Raupe kühn,

mit glänzend‘ Körperlein,

der Vogel grinst: was willst du noch?

Du bist doch viel zu klein!

Am Tag darauf,

die Raupe, ängstlich,

das Reden fällt ihr schwer,

der Vogel gähnt und glotzt und dreht sich,

er redet auch nicht mehr.

Drei Tage lang verweint der Wurm,

Und puppt sich traurig ein.

Vier Tage, fünf, sechs, sieben, acht.

Am neunten Tag der kleine Kerl erwacht –

und kann es gar nicht fassen:

„Wo bin ich nur? Was tu ich hier? Ich will sofort hier raus!“

Er räkelt sich, und streckt, und dehnt.

Es knistert, knackst und kracht.

Aus dem Kokon die Raupe lugt

und sieht die ganze Pracht:

Ein Himmel voller Vögel!

„Ach könnte ich doch nur fliegen

doch bin ich nur ein Wurm.“

„Probier’s“, sagt eine Stimme ihr.

„Was hab ich zu verlieren“,

die kleine Raupe denkt,

und klettert aus dem Bau

ein Tautropf auf dem Blatt, ein Spiegel

die Raupe schaut und staunt

denn vor ihm steht kein grauer Wurm –

ein kunterbunter Traum!

„Ein Schmetterling? Das bin nicht ich!“

erschrickt das Kleingetier.

Da breitet es die Flügel aus

und fliegt direkt zu dir!

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an (alle da) oben



da oben sitzen sie

feist, satt, ichlos

zweifeln sie

nicht

dass sie

niemals untergehen

vergessen

dass sie

längst vergessen sind

schon heut’

agieren, reagieren nur

auf das was

schwarzer seidenzwirn,

kein hirn, diktiert und

sehen nichts was

sehen die

am rande

stehen doch

eines tages werden

diese die

da oben

runterziehen in dunkle hadeskammern

und eines tages

werden alle

aufstehen.

zusehen wenn

die da 

oben klanglos

untergehen und 

unter grünen

steinen liegen

– weißer zwirn –

dürr, hungrig, körperlos

warten sie und

warten sie und

warten wartend

vergessend dass

sie längst vergessen sind

schon heut’.

.

                                                                                                                                                                                ©  Lina Bibaric

 

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neuLAND

es  kommt der tag da werden alle ersten

letzte sein wenn morsche netze reißen

freier fall ins nichts der erben

tot geborener greise

und die unbesiegten eisbergspitzen

ragen in den himmel

bis die sonne taut das eis ins tal

dinosaurier lernen schwimmen

in den wassern der erkenntnis

aus den längst verdorrten böden

sprießen unverdorben triebe

ungestutzt im grenzenlosen raum

steine die zuvor auf neuen wegen liegen

versinken in den jugendlichen wiesen

und der frische wind trägt unsere samen

millionenfach ins neue land

 

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